Crisco Connection

Sep
09
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Ob John von Neumann das Manifest des dadaistischen revolutionären Zentralrats kannte, als er in den 40ern den Universal Constructor theoretisch entwickelte, weiß ich nicht. Unwahrscheinlich ist es allemal, war er doch erklärter Antikommunist. Aber eine Maschine, die sich selbst exponentiell kopieren und alles mögliche andere herstellen kann und obendrein auch noch selbsttätig Energieversorgung und Wartung erledigt, kommt der Einführung der progressiven Arbeitslosigkeit durch vollständige Mechanisierung jeder Tätigkeit und damit dem ewigen Schlendrian, den sich Raoul Hausmann und andere Radikalhedonisten vom Kommunismus erhofften, schon ziemlich nahe.

Radikal links war seitdem Volkszählungsboykott, Ökoromantik und Anti-Atom-Bewegung. Die Hoffnung auf die sich automatisch in den eigenen Mund befördernden gebratenen Tauben, die unweigerlich mit dem technischen Fortschritt irgendwann kommen müssten, wurde nur noch von denen gehegt, die partout nicht kapieren wollten, dass wir die Erde von unseren Kindern nur geborgt haben und man Btx nicht essen kann.

Gegen derlei fortschrittsfeindlichen Unsinn ist das RepRap-Project an der Universität von Bath angetreten, wo unter dem Motto creating wealth without money und mit sympathischem Rückgriff auf Marx ein etwa kühlschrankgroßer 3D-Drucker gebaut wird. Der soll, wenn er mal fertig ist, vor allem sich selbst und noch alles mögliche andere ausdrucken können. Als wäre das nicht schon schön genug, dass jemand von Neumanns theoretische Grundlage endlich mal weg von NASA-Spekulationen in den privaten Haushalt holt, ist das ganze Projekt auch noch mit Creative Commons lizenziert und damit offen für jeden nachvollziehbar und nachzubauen.

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Wenn das Ding also irgendwann funktioniert, dann wäre dies das Ende der Trennung von Produzent und Konsument, mithin des Zeitalters der industriellen Massenproduktion, denn dann werden einfach alle Teller, Tassen, Laptopgehäuse, Flugzeuge und Organe zu Hause ausgedruckt und wenn sie nicht mehr gebraucht werden, der Schrott in den ebenfalls ausgedruckten und zusammengesteckten Recycler gestopft, der dann wieder den Rohstoff für neue Teller, Tassen, Laptopgehäuse und Flugzeuge liefert, dieser Satz will genauso wenig ein Ende nehmen wie der vorgestellte Produktionskreislauf.

Nebenbei beweist sich dann vielleicht noch im Nichtmehrdiehandumdrehen das Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate, denn wenn keiner mehr arbeitet, also fixes Kapital das Variable vollkommen verdrängt hat, dann ist´s Essig mit der Akkumulation. Es sei denn, das gerade von diversen Unternehmen noch fester gezurrte geistige Eigentum antizipiert die Entstehung einer neuen Produktionsweise, welche die Ware ihrer materiellen Gestalt entkleidet. Verkauft werden dann nicht mehr Autos, sondern das kopiergeschützte CAD-Modell eines Autos übers Internet. Die Auto-Cracker würden nicht lange auf sich warten lassen und zeitgenössische anti-piracy spots mit dem claim You wouldn´t steal a car. Movie piracy is stealing. als kulturhistorische Artefakte einer vergangenen Epoche belächelt werden.

Wer jetzt einen dieser hippen Studienplätze ergattert hat, lebt demnächst gefährlich, denn wenn ganze Märkte aus der Warenförmigkeit auszubrechen drohen, lassen Unternehmen abtrünnige Produktdesigner standrechtlich erschiessen. Sieht so aus, als rette uns auch diesmal kein höh´res Wesen und auch kein replicating rapid prototyper, die Befreiung der Faulen von der Arbeit muss das Werk der Faulen selbst sein.