Crisco Connection

Aug
03
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Tom brezelt sich für die Disco auf: Schaumwein zwitschern und Eier rasieren. Smalltalk-Happen für blöde Geilmäuse ausdenken, Ohrenschmalz rauspulen, Schnaps kippen und am frischge-waschenen T-Shirt schnuffeln. Rauchen, Haare dengeln, mehr Zwitschern, Arsch in drei Hosen beäugen, Zähneputzen. Geld, Kippen, Karte, alles Disco-klar! Tom schnappt sich den Haus-schlüssel und schlüpft in seine Schuhe. Tom verfuselt sich an den Schnürsenkeln, dann wird ihm vom Runterbeugen schummrig, Kopf will oben sein, kurz hier auf Hosenboden setzen. Tom hockt im schmutzigen Flur und linst an seinen Beinen längs: Ganz hinten die störrischen Senkel, da geht nichts weiter. Adiletten kommen Kacke beim Türsteher, barfuß kommt richtig Scheiße beim Kloficken. Tom versucht es noch einmal mit Schnüren, aber die Senkel kichern sich nur eins: Highlife is Lowlife, und Life is immer noch Live! Ohne Schleife keine Disco, ohne Disco kein Plan. Tom nuckelt Flachmann, Tom kippt Unterwegs-Biers, Tom inhaliert-Terpentin. Ganz schön staubig, der Flur, denkt Tom, törnt ganz geil, das Terpentin, denkt Tom, Schwindel, mitten im Kopf. Klein-Tom ist ganz hibbelig, die Kinderhand schwitzig in Papas Pranke, Papa ist auch hibbelig, weil das Tittenland wirklich ein Spaß für Groß und Klein ist. Der Tag neigt sich bereits dem Ende zu, Vater und Sohn kommen aus dem Drehrestaurant im Nippeltower, Klein-Tom schwer von Cherry-Boobs-Cola überzuckert, im Bauch rumort ein Cup-D-Burger mit Dolly-Parton-Wedges, jetzt will er –noch mal! – auf die Baywatch-Wasserrutsche, was aber nicht geht, weil er seine Monstertüte Schmalz-Möpse kaum angerührt hat und die nicht nass werden soll. Klein-Tom lutscht Himbeer-Brustwarzen, und nörgelt, alles läuft super, aber dann muss er plötzlich richtig Kotzen, Papa schreit rum, weil sein missratener Nachwuchs die Monstertüte Schmalz-Möpse vollreihert, die war teuer, und als Klein-Tom den halb-verdauten Cup-D-Burger über Papas neue Cord-Jeans speit, kriegt er eine gelangt. Tom seufzt schwer, als er aufwacht: Samstagsausflüge mit Papa ins Tittenland!
Unvergessene Kindheitswonnen, aus und vorbei, statt warmer Kotze vor der Baywatch-Wasserrutsche, wieder der kalte, staubige Flur, und all die anderen Erwachsenen-Probleme, allen voran die Senkel-Schlappe. Tom schlufft in die Küche, um ins Spülbecken zu pissen, zuverlässiger Stimmungsaufheller seit dem Tag, an dem Mama Klein-Tom übel den Arsch versohlt hat, weil Klein-Tom schon wieder in die halbvolle Milchflasche uriniert hatte. Tom schaltet auf Gammelbetrieb, Disco rennt nicht weg, und auf die verweichlichten Jugendlichen mit ihren schwammigen Körpern und ihren bleichen, dummen Fressen kann Tom prima verzichten: Man ist eben nicht übel assig, wenn man Hustensaft trinkt, weil der Schnaps aus ist. Man ist übel assig, wenn man den Hustensaft spritzt, weil das Terpentin aus ist.

(Anton Waldt)